Ontologische Untersuchung der Perforation in Theorie / Praxis

Ontologische Untersuchung der Perforation in Theorie

Einführung

Die folgende Schrift ist im Rahmen des MSc „REASEARCH - Experimentelles Entwerfen“ Schwerpunktes geschrieben worden und befasst sich mit der erkenntnistheoretischen Untersuchung der Perforation in seinen Bestandteilen, seinen Merkmalen und seiner Bildung. Desweiteren soll die Frage untersucht werden, ob und wie die Abwesenheit von Materie im Sinne einer Perforation die restliche Materie in seiner Erscheinung beeinflusst und mit welcher Wechselwirkung gerechnet werden kann, beziehungsweise wie das Spiel der Wechselseitigkeit das Erscheinungsbild determiniert.

 

Untersuchung der Perforation

Das Wesen und die Erscheinung der Perforation stehen in ständiger Wechselwirkung mit dem Gegenteil der Perforation: Nämlich mit dem Teil des Nicht-Perforiertem. Nur im Rahmen der Materie erkennen wir das Gegenteil, welches aber auch nur in einem definierten Kontext existieren kann. Die Perforation ist zudem ortsgebunden. Daher können wir im leeren und diffusen Raum keine Perforationen wahrnehmen. Dies ist die erste Erkenntnis, die wir aus dem Wesen der Perforation ableiten können. So verleiht Kurt Tucholsky zudem in seiner Schrift „ Zur soziologischen Psychologie der Löcher“ der Perforation einen anderen Wert als nur ein Nicht-Sein oder ein Fehlen von Etwas: „Ein Loch ist ein ewiger Kompagnon des Nicht-Lochs“. Ebenfalls können in der reellen Welt keine halben oder mehrere übereinander liegenden Perforationen existieren, da es nur eine Negation gibt. Perforationen unterliegen somit stets dem Superlativ der vorgegebenen Materie. Es gibt die Materie in jeder erdenklichen Form und Zustand, aber es gibt nur eine Perforation als dessen Negation.

 

Die Negation

Die Negation der Materie setzt das Etwas, die Materie, voraus und kann sich nur auf dieses bestimmte Etwas beziehen. Bei Betrachtung der Perforation erkennen wir also ein Nichtvorhanden-Sein von Etwas, welches aber nicht das eigentliche Nichts ist. Es entsteht ein aus der Materie heraus abgeleitetes Etwas, welches das Nichts andeutet, durch die Materie aber herauf beschwört wird. Es ist eine Einführung in das Nichts, aus dem Rand des Etwas betrachtet. Denn zu einem absoluten Nichts im Sinne eines nicht denkbaren Nichts wird es erst gar nicht. Vielmehr entsteht durch den Rückzug der Materie eine Erweiterung dessen Erscheinungen. Die Perforation lässt den Grad der Erscheinung der Materie erweitern, indem es ein Davor und ein Dahinter zulässt. Es katalysiert einen Dialog zwischen den Räumen der Materie. Das Interessante dabei ist sicherlich der Anfang oder das Ende der Perforation, je nach dem aus welcher Position man es betrachtet. Durch eine klare Abgrenzung, die wir als Rand definieren, umrahmt die Materie also ein Stück von seiner Abwesenheit und macht es sich zu Eigen. Es verändert seine Erscheinung durch das Fehlen seiner Erscheinung. Der Rand als Katalysator für diesen Prozess ist das wichtigste Element der Perforation, da nur er eine Verbindung zwischen den beiden Bestandteilen definieren kann. Von ihm hängen auch die Wechselwirkungen ab, die im weiteren Verlauf noch näher erläutert werden.

 

 

Perforationsbildung

Es gibt zwei unterschiedliche Prozesse, wie Perforationen zustande kommen können. Zum einen kann aus einem bereits existierenden Etwas Materie entnommen werden, wodurch ein Hohlkörper entsteht, der die Materie durchdringt oder wenigstens einen erkennbaren Rand ausbildet. Zum anderen kann Materie angehäuft werden, wobei bestimmte Bereiche freigelassen werden. Dadurch entstehen auch die eben genannten Hohlräume. Qualitativ lassen sie sich aber nicht kategorisieren, da beide unterschiedlich entstandenen Hohlräume, die gleichen Eigenschaften aufweisen. Der Fokus muss sich daher nur auf die Materie selbst richten. Es geht um das Verhältnis von Materie zu Nicht-Materie; die Größe, die Dichte und die Ordnung der Perforationen im Verhältnis zur umgebenden Materie, und umgekehrt. All diese Faktoren entscheiden in wie fern die Wechselwirkung von Materie zu Nicht-Materie das Erscheinungsbild determiniert.

 

 

Wechselwirkung

Entscheidend für das Erscheinungsbild der Materie sind die bereits oben beschriebenen Parameter. Sie geben Auskunft darüber in wie weit die Materie noch eigen ist beziehungsweise in wie weit sie bereits fremd geworden ist. Je größer der Anteil der Nicht-Materie ist, desto größer ist auch dessen Fremdheit. Anstelle der eigenen Materie erscheint die dahinter liegende Materie. So entsteht durch die Perforation der ersten Materie eine Erscheinung einer weiteren. Genauso gut hängt es von der Proportion des Betrachtenden zur umgebenden Materie und Perforation ab. Je kleiner die Perforation sich dem Betrachter offenbart, desto geringer ist der Anteil einer zweiten oder dritten Erscheinung weiterer Materien. Aus der Dichte der Perforation können sogar Nuancen entstehen, die die Erscheinung der Ebenen quantitativ und in vielerlei Hinsicht auch qualitativ verändern können. Mehrere übereinander gelagerte Siebe funktionieren nach demselben Prinzip. Vom grob zum kleinkörnigen lassen die Perforationen der Siebe einen Teil der Materie oder dessen Erscheinung durch, wodurch in den einzelnen Ebenen unterschiedliche Nuancen, Materiegrößen zurückbleiben.

 

 

 

 


Ontologische Untersuchung der Perforation in Praxis

Bei dieser Installation geht es um das Phänomen des scheinbar leeren Raumes mit den Indizien eines vorhandenen Etwas. Dabei wird der Aggregatzustand des Wassers so verändert, dass sich das Wasser in dem Raum als Wasserdampf ausbreitet und den Raum damit als gefüllt scheinen lässt.

 

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